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  • Carolin Kassella

Pandemie der Unmündigen


Manchmal hilft nur der Vergleich mit einer anderen Situation, um die Dringlichkeit, Schwere und Tragweite einer Gefahr zu begreifen. Im Fall totalitärer Staaten ist das der Vergleich mit anderen Ländern, um zu sehen, wie Gesellschaft und Politik arbeiten, und in welch brenzliger Lage man sich im eigenen Land befindet.


Wie stark die totalitären Kräfte aktuell in Deutschland wirken wurde mir jüngst durch einen Besuch in Amsterdam bestätigt. Dort fand zum Zeitpunkt meines Aufenthalts weder eine sichtbare Diskriminierung der sogenannten "Ungeimpften" – also diejenigen, die nicht gegen die Covid19-Erkrankung geimpft sind – statt, noch herrschte eine überbordende Maskenpflicht wie man sie in Deutschland kennt; diese galt einzig im ÖPNV. Doch selbst dort sah man am späteren Abend einzelne Fahrgäste verschiedenen Geschlechts oder Alters, die keine Mund-Nasen-Bedeckung trugen.


Und es geschah erstaunliches: Die in Deutschland als "Maskenverweigerer" und womöglich gar als "Corona-Leugner" gebrandmarkten Fahrgäste wurden weder von den anderen mit vernichtenden Blicken abgestraft noch zurechtgewiesen, wie ich es auf deutschem Staatsgebiet schon häufig in S-Bahn oder Fahrstuhl erlebte. Jeder war auf sich konzentriert und störte sich nicht an den hygienischen Gewohnheiten des Sitznachbars.


Selbiges galt für den Impfstatus. Meinen Impf-, Genesenen- oder Getesteten-Status wollte während der gesamten Dauer meines Aufenthalts im Stadtgebiet nur eine Person wissen: die Dame, die am Eingang des Hotel-Frühstücksraums stand.


Ich würde lügen wenn ich leugnete, dass es sehr ungewohnt und befremdlich war, in Geschäften, überfüllten und riesengroßen Museen oder eng bestuhlten Restaurants ohne Maske und ohne "3G"-Check herumzuwandeln. Aber genau das versucht das deutsche Corona-Regime seit über eineinhalb Jahren aufrechtzuerhalten: Dass es etwas natürliches ist, Maske zu tragen, den Impfpass wildfremder Menschen zu inspizieren oder kerngesunde Menschen vom öffentlichen Leben vollends auszugrenzen. Doch es ist zutiefst unnatürlich, auch ohne medizinische Masken für Jedermann haben wir uns und unseren Organismus seit Jahrtausenden weiterentwickelt.


Dass es kein Zurück zur alten Gewohnheit und stattdessen nur noch das New Normal geben kann, ist ein Narrativ, das beständig und penetrant seit Monaten von Massenmedien und Politikern gestreut wird. Es gibt die alte Normalität, wenn man außerhalb Deutschlands lebt - wenn auch selten. Nach dieser kurzweiligen Zeitreise will ich die Hoffnung auf den alten Status quo noch nicht vollständig begraben.


Niemand wird gern krank, und fahrlässig vulnerable Gruppen zu gefährden liegt mir fern. Doch es muss ein Umdenken stattfinden, wenn sich die Infektionsgeschehen trotz immens hoher Impfquoten in Europa wieder intensivieren. Weitere Lock- oder Shutdowns können keine Option sein. Nicht Corona regiert die Welt, sondern Interessengruppen, die Panik schüren, Lügen verbreiten und wissenschaftliche Fakten unter den Tisch kehren für die eigene Bereicherung und getrieben von politischen Motiven. Es ist eine Pandemie der Unmündigen.

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